Wie man eine starke Asylstellungnahme verfasst, die wirksam ist
Ihre persönliche Asylstellungnahme – manchmal auch Erklärung oder eidesstattliche Versicherung genannt – ist oft das wichtigste Dokument in Ihrem gesamten Asylverfahren. Sie ist Ihre Gelegenheit, Ihre Geschichte in Ihren eigenen Worten zu erzählen und die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Sie bei einer Rückkehr in Ihr Heimatland einer echten Verfolgung ausgesetzt sind.
Was ist eine Asylstellungnahme?
Eine Asylstellungnahme ist eine schriftliche Darstellung, die zusammen mit Ihrem Asylantrag eingereicht wird und erklärt:
- Wer Sie sind und Ihr Hintergrund
- Was mit Ihnen oder Ihrer Familie geschehen ist
- Warum Sie fürchten, in Ihr Land zurückzukehren
- Warum Ihre Regierung Sie nicht schützen kann oder will
Einwanderungsbeamte und Richter nutzen diese Stellungnahme, um zu beurteilen, ob Ihr Antrag der rechtlichen Definition eines Flüchtlings oder Asylsuchenden entspricht. Eine schwache oder vage Stellungnahme kann zu einer Ablehnung führen, selbst wenn die zugrunde liegende Angst real ist.
Beginnen Sie mit Ihrem persönlichen Hintergrund
Beginnen Sie mit sachlichen, identifizierenden Informationen: Ihrem vollständigen Namen, Nationalität, Ethnizität, Religion, politischer Zugehörigkeit (falls relevant) und Familiensituation. Dies schafft den Hintergrund für Ihre Geschichte und hilft, den Kontext für die folgenden Ereignisse zu etablieren.
> Tipp: Gehen Sie nicht davon aus, dass der Leser etwas über die politische Situation in Ihrem Land weiß. Erklären Sie kurz den relevanten Kontext – wer an der Macht ist, welche Gruppen bedroht sind und warum.
Erzählen Sie Ihre Geschichte chronologisch
Organisieren Sie den Hauptteil Ihrer Stellungnahme in chronologischer Reihenfolge. Beginnen Sie mit den frühesten relevanten Ereignissen und arbeiten Sie bis zu Ihrer Abreise vor. Dies macht Ihren Bericht leicht nachvollziehbar und schwer anzufechten.
Für jedes Ereignis:
1. Nennen Sie das Datum oder den ungefähren Zeitraum – selbst grobe Zeitangaben (z. B. "Anfang 2021") helfen, einen Zeitstrahl zu etablieren.
2. Beschreiben Sie genau, was geschah – wer war beteiligt, was wurde gesagt oder getan, wo fand es statt.
3. Erklären Sie, wie es Sie beeinflusste – körperliche Verletzungen, psychische Auswirkungen, Bedrohungen von Familienmitgliedern.
4. Nennen Sie Zeugen oder Beweise – Personen, die Ereignisse sahen, Dokumente wie Polizeiberichte, Krankenhausunterlagen oder Fotografien.
Vermeiden Sie Zusammenfassungen. Schreiben Sie nicht "Ich wurde mehrmals bedroht", sondern beschreiben Sie eine bestimmte Bedrohung im Detail: wer sie machte, die genauen Worte, was unmittelbar danach geschah.
Konzentrieren Sie sich auf die fünf geschützten Gründe
Um sich für Asyl zu qualifizieren, muss Verfolgung mit mindestens einem der fünf geschützten Gründe verbunden sein:
- Rasse
- Religion
- Nationalität
- Politische Überzeugung (tatsächlich oder vermeintlich)
- Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
Verbinden Sie den Schaden, den Sie erlitten haben oder befürchten, eindeutig mit einer oder mehreren dieser Kategorien. Diese Verbindung ist rechtlich wesentlich – überlassen Sie es nicht dem Leser, sie anzunehmen.
Begründen Sie, warum Sie nicht zurückkehren können
Eine starke Stellungnahme erklärt nicht nur, was in der Vergangenheit geschah, sondern auch, warum Sie die Zukunft genuinely fürchten. Befassen Sie sich mit diesen Punkten:
- Ist die Bedrohung immer noch aktiv? Hat sich die Situation in Ihrem Land verschärft?
- Haben Sie kürzliche Drohungen erhalten (Anrufe, Nachrichten, Besuche von Verfolgern)?
- Warum können Sie nicht in einen anderen Teil Ihres Landes umsiedeln (interne Umsiedlung)?
- Warum schützen Sie die örtlichen Behörden nicht – sind sie Mittäter, unwirksam oder unwillig zu helfen?
Seien Sie ehrlich und konsistent
Konsistenz ist das Wichtigste. Ihre Stellungnahme wird Zeile für Zeile mit Ihren Asylantrag-Formularen und früheren Stellungnahmen verglichen. Widersprüche – selbst kleine – können Ihrer Glaubwürdigkeit ernsthaft schaden.
- Übertreiben oder erfinden Sie niemals Details. Wenn eine Lüge entdeckt wird, wird Ihr gesamter Antrag verdächtig.
- Erklären Sie Inkonsistenzen, falls vorhanden (z. B. Sie hatten Angst, als Sie zum ersten Mal ankamen, und offenbarten nicht alles).
- Beziehen Sie Details ein, die nur Sie wissen würden – sensorische Details, Gespräche, Namen von Straßen oder Beamten – die zeigen, dass Ihr Bericht echt ist.
Verwenden Sie klare, einfache Sprache
Schreiben Sie in einfacher Sprache. Wenn Sie in einer anderen Sprache als Ihrer eigenen schreiben, arbeiten Sie mit einem qualifizierten Dolmetscher zusammen und lassen Sie die Übersetzung überprüfen. Vermeiden Sie Jargon, es sei denn, Sie zitieren etwas Offizielles. Das Ziel ist Klarheit, nicht Komplexität.
Holen Sie sich professionelle Hilfe
Obwohl Sie Ihre Stellungnahme selbst entwerfen können, wird dringend empfohlen, mit folgenden Personen zusammenzuarbeiten:
- Ein qualifizierter Einwanderungsanwalt oder ein akkreditierter Vertreter
- Eine anerkannte Flüchtlingsrechtsorganisation
- Ein geschulter Asylbearbeiter
Sie können Ihre Stellungnahme auf rechtliche Vollständigkeit überprüfen, Ihnen helfen, Lücken zu identifizieren, und sicherstellen, dass sie mit Ihren anderen Antragsunterlagen übereinstimmt.
Unterstützungsbeweise stärken Ihren Fall
Reichen Sie Ihre Stellungnahme immer zusammen mit unterstützenden Dokumenten ein, falls verfügbar:
- Länderberichte von Menschenrechtsorganisationen
- Ärztliche oder psychologische Gutachten
- Bestätigungsschreiben von Personen, die Ihren Bericht bestätigen können
- Zeitungsartikel, Polizeiberichte oder offizielle Dokumente
Referenzieren Sie diese Anlagen in Ihrer Stellungnahme, damit der Leser folgen kann.
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Häufig gestellte Fragen
F: Wie lang sollte meine Asylstellungnahme sein?
A: Es gibt keine feste Länge, aber die meisten Stellungnahmen umfassen 5 bis 20 Seiten. Konzentrieren Sie sich auf Qualität und Detail statt auf Länge – jeder Absatz sollte einen Zweck erfüllen.
F: Kann ich meine Stellungnahme in meiner Muttersprache schreiben?
A: In den meisten Ländern muss die Stellungnahme letztendlich in der offiziellen Sprache der Asylbehörde eingereicht werden. Arbeiten Sie mit einem zertifizierten Dolmetscher zusammen und lassen Sie die Übersetzung immer auf Genauigkeit überprüfen.
F: Was ist, wenn ich einige Details vergessen habe oder mich später anders an die Dinge erinnere?
A: Informieren Sie Ihren Rechtsvertreter sofort. Es ist besser, eine Korrektur mit einer Erklärung einzureichen, als eine Diskrepanz während eines Interviews entdeckt zu haben. Eine ehrliche Klarstellung ist weit weniger schädlich als ein vermeintlicher Widerspruch.
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