
Von Taschkent nach Toronto: Die Reise einer usbekischen Familie nach Kanada
Die Entscheidung, Usbekistan zu verlassen
Mein Name ist Alisher und ich bin 42 Jahre alt. Meine Familie und ich lebten in Taschkent, Usbekistan, wo wir mit zunehmenden politischen Druck konfrontiert waren. Nach langer Überlegung beschlossen meine Frau und ich, dass ein Umzug die beste Option für eine sicherere Zukunft unserer zwei Kinder wäre. Unser erstes Ziel war die Türkei, ein Land, das sowohl räumliche Nähe als auch einen Weg zu eventueller Zuflucht anderswo zu bieten schien.
Besiedlung in der Türkei: Ein gemischtes Bild
Wir kamen in Istanbul an und meldeten uns bei dem UNHCR an. Die türkische Regierung gewährt vorübergehenden Schutz, aber dies kommt nicht ohne Herausforderungen. Der Prozess zur Erlangung der Kimlik, oder des Ausweises für vorübergehenden Schutz, war mit langen Wartezeiten und bürokratischen Hürden verbunden. Dieser Ausweis war jedoch entscheidend für den Zugang zu Gesundheitswesen und Arbeitsmöglichkeiten.
Während meines Aufenthalts in der Türkei arbeitete ich gelegentlich, um meine Familie zu unterstützen, aber finanzielle Belastung war ein ständiges Problem. Wir mussten auch mit Sprachbarrieren umgehen, da weder meine Frau noch ich Türkisch fließend sprachen. Ein großer Erfolg war die Anmeldung unserer Kinder in einer lokalen Schule, die kostenlos war und überraschend gute Qualität bot.
Der Weg nach Kanada: Private Sponsorship
Nach zwei Jahren in der Türkei beschlossen wir, uns für die Wiederansiedlung in Kanada durch ein privates Sponsoring-Programm zu bewerben. Wir hatten das Glück, eine Kirche in Toronto zu treffen, die bereit war, uns zu sponsern. Das Bewerbungsverfahren war umfassend und erforderte detaillierte persönliche Geschichten und den Nachweis unseres Flüchtlingsstatus.
Das Warten war qualvoll und dauerte fast ein Jahr. Wir hatten Momente der Zweifel, besonders wenn Verzögerungen unbegrenzt zu sein schienen. Mit regelmäßiger Kommunikation mit unseren Sponsoren und dem UNHCR schafften wir es jedoch, unsere Bewerbung auf dem richtigen Weg zu halten.
Ankunft in Kanada: Ein neuer Anfang
Wir landeten Anfang 2023 in Toronto und wurden warmherzig von unseren Sponsoren begrüßt. Dies war eine erhebliche Erleichterung nach Jahren der Unsicherheit. Die kanadische Regierung gewährte anfängliche finanzielle Unterstützung, die entscheidend war, als wir uns niederließen.
Obwohl das Leben in Kanada nicht ohne Herausforderungen ist – hohe Lebenshaltungskosten und die Notwendigkeit, Englisch zu lernen, sind laufende Probleme – ist das Gefühl der Sicherheit und Möglichkeit unbezahlbar. Unsere Kinder haben sich gut angepasst, lernen schnell Englisch und machen gute Fortschritte in der Schule.
Tipps für andere
1. Bauen Sie ein Unterstützungsnetzwerk auf: Egal ob in der Türkei oder in Kanada, eine Gruppe von Menschen, die Sie durch den Prozess führen können, ist unbezahlbar. Verbinden Sie sich mit lokalen NGOs und Expat-Gemeinschaften.
2. Halten Sie Dokumentation organisiert: Von der UNHCR-Registrierung bis zum kanadischen Sponsoring müssen alle Dokumente vollständig und aktuell sein. Das vereinfacht den Prozess erheblich.
3. Bereiten Sie sich auf Verzögerungen vor: Sowohl in der Türkei als auch in Kanada ist Geduld der Schlüssel. Prozesse können langsam sein, daher ist es wichtig, die Erwartungen zu steuern und hartnäckig zu bleiben.
Fazit
Unsere Reise von Taschkent nach Toronto war nicht einfach, aber jeder Schritt war es wert für die Sicherheit und Zukunft unserer Kinder. Wir sind dankbar für die Chancen, die Kanada bietet, und sind entschlossen, hier ein neues Leben aufzubauen.